Woher kommen eigentlich diese "sanften Riesen"? Ursprünglich waren es Bauernhunde - einfache Hofhunde, die in den Voralpengebieten und vor allem in Teilen des Mitellandes rund um Bern gehalten wurden. An diesem bernischen Bauernhund, wie er damals genannt wurde, schätzten Bauern und Hofbesitzer seine ganz besonderen Eigenschaften: er blieb freiwillig am Haus, zeigte keine Jagdleidenschaft und war ein vorbildlicher Wächter für Haus und Hof. Seine Lauffreudigkeit und sein Bewegungsdrang war, verglichen mit anderen Rassen, nicht übermäßig groß. Deshalb fiel es diesen Hunden leicht, eine starke Bindung an ihren Heimatbezirk und die dort lebenden Menschen und Tiere zu entwickeln.
Diese Bauernhunde hatten mit der optischen Erscheinungsform des heutigen Bernersennenhundes noch nicht viel zu tun: Sie zeigten die unterschiedlichsten Farbschattierungen, das Haar war mehr oder weniger stark gewellt bis gelockt, manche Hunde waren stämmiger, andere eher schmal gebaut. Etwa 1880 wurden die ersten Rassegesellschaften in der Schweiz gegründet, und 1902 fand die erste "schweizerische Hundeschau" statt. Ganz langsam wurde die Rasse des Berner Bauernhundes durch Zuchtüberlegungen immer mehr vereinheitlicht.
Besonders häufig kam dieser langhaarige dreifarbige Hund im Gebiet der Ortschaft Dürrbach im Kanton Bern vor; man bezeichnete ihn deshalb zunächst als "Dürrbächler".1907 begannen einige Hundezüchter, diese Rasse rein zu züchten, und um 1909 wurden der anzustrebende Typ dieser Rasse und seine besonderen Rassekennzeichen festgelegt. Seit 1910 trägt die Rasse den Namen Berner Sennenhund. Im Laufe der Jahrzehnte wurde sie weiter verfeinert und zu dem wunderschönen heutigen Hundetyp durchgezüchtet.
Folgende Dinge sollten Sie unbedingt vor dem Kauf eines Bernersennenhundwelpen beachten:
-Haben Sie eine Wohnung bzw. ein Haus, wo sich der große Hund frei bewegen kann, ohne ständig etwas herunterzuwedeln?
-Sind in ihrer Familie alle Beteiligten mit der Anschaffung dieses großen Hundes einverstanden, und ist die Hauptbetreuungsperson mit dieser Aufgabe nicht überfordert?
-Hat keines der Familienmitglieder - zumindest nicht wissentlich - eine Tierhaarallergie, die die Haltung des Hundes schon bald wieder unmöglich machen könnte?
-Wünscht sich ein Kind oder Jugendlicher den Hund? Stehen die Eltern voll dahinter und sind bereit, bei Interesseabfall des Wünschenden die ganze Verantwortung für den Berni zu übernehmen?
-Ist Ihnen klar, daß ein Berner im Haarwechsel wolkenweise Haare fallen läßt, und ist es Ihnen nicht zu viel, dieses wunderschöne Fell - auch ohne Haarwechsel - mindestens zweimal in der Woche gründlich zu bürsten? Sind Sie bereit, auch bei schlechtem Wetter dieses Fell und die dicken Pfoten mehrmals am Tag zu säubern?
-Haben Sie genügend Zeit für Ihren Berni? Können Sie mindestens zweimal am Tag eine große Runde (ca. 1 Stunde) mit ihm spazieren gehen, und ist der Hund nicht mehr als vier bis fünf Stunden am Tag allein?
-Ist Ihr Auto geeignet für den "sanften Riesen", oder wächst er nach und nach raus?
-Sind Sie bereit Ihre Urlaubsanforderungen dem Hund anzupassen, oder haben Sie für die Urlaubszeit eine Betreuungsperson?
-Ein Berner Sennenhund kann 10-12 Jahre alt werden. Haben Sie vor, sich mit allen Konsequenzen auf diese lange gemeinsame Zeit einzustellen?
-Haben Sie bedacht, daß die Kosten der Haltung eines so großen Hundes höher sind als bei kleineren Hunden?
-Haben Sie bedacht, daß ein Welpe im ersten Lebensjahr sehr viele Dinge erst lernen muß, die einiges an Geduld mit sich bringen wie Stubenreinheit oder keine Möbel, Schuhe etc. zu zerbeißen?
Sennenhunde sind Familienhunde
Alle vier Schweizer Rassen, besonders aber der Berner, zeichnen sich durch einige typische Wesensmerkmale aus, die sie zur Haltung in der Familie ganz besonders prädestinieren.
Sennenhunde haben ein friedfertiges Wesen. Fremden Besuchern gegenüber haben sie eine natürliche Distanz, zeigen aber so gut wie nie Aggression. Ein gut erzogener Sennenhund ist als verläßlicher, mitdenkender Partner der ganzen Familie ideal. Sennenhunde lieben Kinder. Vorsicht jedoch bei Solo-Spaziergängen von Sennenhund und Kind: Dem ausgeprägten Beschützer-Instinkt des Hundes sind Kinderkräfte am anderen Leinenende meist nicht gewachsen. Sennenhunde jagen nicht. Es passiert zwar, daß Sie fünfzig Meter hinter dem Kaninchen herlaufen, aber damit hat es sich auch. Friedliche Koexistenz wird großgeschrieben. Toleranz gegenüber anderen Tieren gehört ins Pflichtheft eines Hütehundes. Die Schweizer Sennenhunde müssen zum friedfertigen Umgang mit Heim- und Haustieren nicht erst erzogen werden. Die Bindung an Haus und Hof ist bei allen Sennenhunden so stark, daß Streuner Seltenheitswert haben.
Was Sennenhunde nicht mögen!
Sennenhunde lieben zwar ein leichtes Fitneßtraining, für Rekord-Sprints und Ausdauerläufe sind sie jedoch weniger geschaffen. Ebenso ungeeignet ist der Berner für eine Familie, die nur unregelmäßig zusammenkommt. Sennenhunde schätzen nichts mehr, als "ihre" Menschen in der Nähe zu wissen. Streit gibt es in den besten Familien. Wer sich jedoch ständig in den Haaren liegt, belastet gerade einen Sennenhund psychisch sehr.
Rüde oder Hündin ?
Ob man einen Rüden oder eine Hündin anschafft, ist von der persönlichen Vorliebe abhängig, denn grundlegende Wesensunterschiede gibt es kaum. Natürlich existieren aber geschlechtsspezifische Unterschiede:
Die Hündin wird zweimal jährlich, im Frühjahr und im Herbst, läufig. Wer keinen Hundenachwuchs wünscht, muß in dieser Zeit aufpassen, daß nicht doch ein Rüde zum Zuge kommt. Ein anderes Verhütungsmittel: die Kastration. Entgegen landläufiger Meinung hat der Eingriff keine psychischen Veränderungen bei der Hündin zur Folge.
Beim Rüden kann die hartnäckige Sehnsucht nach den "heißen" Damen während eines Spazierganges zur Nervenprobe für den Halter werden. Der Rüde bleibt nämlich bei jeder Gelegenheit stehen und hebt sein Bein, um Duftmarken zu hinterlassen.
Welpe oder erwachsener Hund ?
Bei den Schweizer Sennenhunden sollte man sich grundsätzlich nur für einen Welpen interessieren. Spätestens nach dem 16. Lebensmonat ist ein Wechsel seiner Bezugspersonen nicht mehr ratsam. Der Berner etwa verkraftet einen Besitzerwechsel im späteren Lebensabschnitt nur schwer. Er kann dann aufsässig, unfolgsam, überängstlich oder auch bissig werden. Das man seinen Sennenhund ausschließlich beim Züchter kauft, versteht sich von selbst.
Wer sich in einen ausgewachsenen Tierheim-Sennenhund verliebt, muß über genaue Kenntnisse in der Hundehaltung verfügen oder den Hund einem erfahrenen Erzieher überlassen.
Wie wird aus einer Handvoll Berner ein solcher Riese?
Schon lange "vor Ihrer Zeit" ist es wichtig, was Ihr Berni erlebt. Die wichtigsten Prägungs- und Entwicklungsphasen laufen in den ersten vier Lebensmonaten ab. Je optimaler diese Zeit für den Welpen verläuft, desto einfacher haben Sie es in der Weiterentwicklung Ihres Hundes. Wenn man diese ersten Entwicklungsschritte verfolgt, wird einem sehr schnell klar, warum die Wahl eines guten Züchters so wichtig ist. Ein guter Züchter, der seine Hundebabys vom ersten Moment an Tag für Tag beobachtet, kann Ihnen bei der Auswahl oft schon sehr viel über die erkennbaren Eigenschaften der Welpen sagen und Ihnen damit helfen, den für Sie geeigneten Hund zu finden.
1. und 2. Lebenswoche Ihres Welpen
Der Welpe ist blind, taub und hilflos. Er ist völlig auf seine Mutter angewiesen. Hat die Hündin in dieser Zeit optimale Ansprache, Haltungsbedingungen und Fütterung, so hat das bereits hier prägende Auswirkungen auf die gesunde Entwicklung der Welpen. Eine zufriedene, gelassene Hündin wird bereits in diesen Anfängen eine ausgleichende und beruhigende Ausstrahlung auf die Welpenschar haben.
3. bis 8. Lebenswoche Ihres Welpen
Mit der Funktionsfähigkeit von Auge und Ohr beginnt für das Hundebaby die absolute Prägungsphase. Es beginnt zu verstehen, wer seine Lebensgenossen sind, sowohl andere Tiere als auch Menschen. Deshalb ist es zu diesem Zeitpunkt besonders wichtig, daß der Welpe mit Menschen nur positive Erfahrungen macht. Hat er erst begriffen, daß Menschen einfach interessant und toll sind, ist der wichtigste Meilenstein für eine menschenbezogene Entwicklung bereits gelegt. Zum bereits erwähnten "Abenteuerspielplatz", auf dem sich sein Leben jetzt abspielt und den das Hundebaby täglich neu erkunden kann, sollten auch alltägliche Geräusche, wie Geschirrklappern, Staubsaugerheulen, Radio, Fernsehen und Stimmengewirr gehören. Diese Zeit bietet die Möglichkeit, durch die Gewöhnung an verschiedene Geräusche und Umgebungen den Welpen einen mühelosen Start ins Leben "in der Fremde" zu ermöglichen.